Gedichte


Narrenweisheit

Oft ist’s der Weise, der den Narren spielt,
und oft der Narr, der sich für weise hält.

Dieweil der eine seine Rolle füllt,
hält sich der andre für den Herrn der Welt.

 

Heinrich Heines Gedenken

Die Dichter, welche denken,
werden gern totgeschwiegen.
Man braucht den Kopf nicht henken,
man läßt ihn nur links liegen.

Die Alten ehrt man erst,
wenn sie im Grabe liegen
- am besten etwa 100 Jahr’ -
und keinen mehr bekriegen.

Ist die Kritik längst überholt,
erklärt man sie zu Helden,
zitiert sie oft, wenn’s keinen plagt,
im andern Falle selten.

Den Heinrich Heine feiert man
am liebsten bei der Nacht.
Die Lebenden aus seiner Zunft
werden nur ausgelacht:

Man sieht sie nicht, man schweigt sie tot,
man ignoriert der Dichter Not.
Schreibt ein Genie hier ein Gedicht,
dann interessiert’s die Medien nicht.

Der Fußball geht den Machern vor
- bis hin zum geist’gen Eigentor.
Drum singt und jubilieret all:
Es leb’ der geistige Verfall.

Leben und Tod

Wovon wir alle leben,
wonach wir alle streben,
was ist es, das uns treibt?

Was wir damit erreichen,
ist's Weisheit ohnegleichen,
an der ein Tor sich reibt?

Oder ist's nur ein Trachten,
ein oberflächlich Schmachten,
das letztlich sinnlos bleibt?

Die Nachwelt wird's erkennen
und auch beim Namen nennen,
wenn wir dereinst entleibt.

Blausternchen blink

Ich sah im Traum blaue Blumen,
die blinkten wie Sterne im Wald;
und blitzten, als wollten sie sagen,
ein treuer Freund komme bald...

Sie glimmten und blitzten und blinkten
aus dem Schatten der Bäume hervor,
als wenn Gedanken winkten
im flammenden Blüten-Chor.

Ein Wald voll funkelnder Sterne
im blauen Blüten-Meer,
die grüßten aus weiter Ferne:
“Sie her, sieh her, sieh her!“


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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